Dr. Christoph Löhr

Keine Angst vor Urlaub in Griechenland!

 

     Das Beste, was man derzeit für Griechenland und seine Bewohner tun kann, ist dort seinen Urlaub zu verbringen und sein Geld dort zu lassen, wo es wirklich gebraucht wird!


     Sie mögen es wahrscheinlich schon fast gar nicht mehr hören: Schon wieder Geld für Griechenland. Aber tatsächlich sehen die griechischen normalen Bürger von den europäischen Finanzhilfen keinen Cent. In meinem persönlichen Umfeld erlebe ich, dass die einfachen Griechen derzeit enorme Einschränkungen auf sich nehmen und zwar für Missstände und Versäumnisse, die sie als Normalbürger gar nicht zu verantworten haben. Diejenigen, die Schuld tragen, d.h. korrupte Politiker und Steuerflüchtlinge, sind von den Maßnahmen kaum betroffen. Gleichwohl wissen die meisten Griechen, dass sich in ihrem Staat vieles ändern muss, damit das Land wieder auf die Beine kommt. Aber ein solcher Mentalitätswandel lässt sich nicht von heute auf morgen durchsetzen.

 

     Dazu kommen die unschönen Bilder aus Griechenland, die Deutschland über die Medien derzeit erreichen. Sie scheinen den negativen Eindruck, den viele Menschen im Norden von den Griechen haben, zu bestätigen. Selbst Freunde dieses eigentlich so beliebten Urlaubsziels haben Angst, dorthin zu reisen.

     Wir alle, die wir Griechenland lieben, wissen um den südländischen Stolz, den die Hellenen in sich tragen; wir Deutsche bewunderten ihn auf vielen Reisen: sei es im Ausdruck des Körpers beim griechischen Volkstanz, oder im Glanz ihrer Augen wenn sie von ihrer großen Geschichte die Rede ist. Weniger nachvollziehbar ist für uns derselbe Stolz, wenn er es der griechischen Seele so schwer macht, die europäischen Sparauflagen und vor allem der Tonfall, in dem sie gefordert werden, einfach hinzunehmen.

     Für mich, der ich in beiden Welten lebe, sind dann vereinzelte griechische Reaktionen, wie das verbrennen deutschen Fahnen, gleichermaßen unerträglich, weil sie die Fronten wieder unnötig verhärten. Aber dabei handelt es sich nur um vereinzelte Aktionen radikalisierter Splittergruppen. Ich selbst bewege mich als Deutscher in Griechenland und sogar in Athen völlig unbehelligt. Meine Erfahrung ist im Gegenteil, dass man „uns Europäern“ nach wie vor mit freundlichem Interesse begegnet. Und gerade als Deutscher ist man zurzeit besonders willkommen, da man als Gegenbeispiel für die vermeintliche Abneigung gegen Griechenland angesehen wird.


     Ich vermag letztlich nicht zu beurteilen, ob die von Europa beschlossenen Maßnahmen nun tatsächlich zur Rettung der Finanzkrise beitragen oder Griechenland noch stärker ins Elend stürzen. Und da weiß ich mich in bester Gesellschaft, denn auch die Finanzexperten sind – quer durch alle Parteien – unterschiedlicher Ansicht. Aber sicher ist: Ihr Geld, das Sie als Tourist ins Land bringen, kommt dort an, wo es jetzt wirklich gebraucht wird: bei den Menschen!

     Und darum: fahren Sie hin! Erleben sie die unverminderte griechische Gastfreundschaft! Geben Sie Griechenland seine Chance!


     Zum wirtschaftlichen Wandel Griechenlands siehe auch Greece Is Changing